Stand: 25.11.2013

Ilmenauer Signal:

Am 1. Dezember 2012 trafen sich Vertreter von Bürgerinitiativen gegen den Freileitungsbau, der Wissenschaft, Politik und Verwaltung in der Technischen Universität Ilmenau zum Alternativen Energiegipfel.

Der Tenor des Kongresses wurde im „Ilmenauer Signal“ zusammengefasst, an dessen Konkretisierung mehrere Personen, die an einer dezentralen Energieversorgung auf der Basis Erneuerbarer Energien interessiert sind, mitgewirkt haben.

 Ilmenauer Signal

Es gibt Varianten der Energiewende, die nicht gleichwertig sind, weil sie unterschiedlichen Interessen dienen.

Großtechnische Varianten dienen in erster Linie den Interessen der Großkonzerne, die energisch um die Aufrechterhaltung ihrer dominanten Position auf den Energiemärkten kämpfen.

Wir aber sind für eine Energiewende, die Bürgersache ist.
Wir treten ein für eine Energieversorgung, die sich folgendermaßen charakterisieren lässt: dezentral und regional, regenerativ und bürgernah, innovativ und zukunftsfähig sowie umwelt- und sozialverträglich.

Zu fördern ist, was auf diesem Verständnis basiert.
Abzulehnen ist, was ihm entgegenwirkt.

Jetzt kommt es darauf an, dass die Weichen richtig gestellt werden!

Orientieren Sie sich am Ilmenauer Signal!


Das nachfolgende Manifest mit Erläuterungen im Anhang wurde von Januar bis Ende März 2013 von Vertretern von Bürgerinitiativen und Vereinen erarbeitet.
Unterstützer sind folgende Institutionen und Persönlichkeiten:
BI „Biosphäre unter Strom – Keine Freileitung durchs Reservat“
Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung“ als Thüringisch-Bayrisches Bündnis
„Zukunft Biosphäre und Lebensraum Angermünde (ZUBILA) e.V.“
BI Isselburg 21 e.V.

Angefragt:
BUND, Klimateam; Solar-Förderverein Deutschland e.V.
Infranetz AG 38539 Müden/Aller
Bündnis 90 DIE GRÜNEN, Landesverband Brandenburg
Prof. Dr. Wolf Schluchter, TU Cottbus (IR)

Manifest des Ilmenauer Signals

Das Anliegen der Autoren und Unterstützer dieses Manifests ist ein zügiger Systemwechsel: Ziel ist die Abmilderung des Klimawandels und die Vermeidung von Kriegen um die letzten fossilen und atomaren Ressourcen. Dazu ist der Ausstoß von Klimagasen - insbesondere CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger sehr weitgehend zu reduzieren. Es kommt darauf an, die Energiebereitstellung so schnell wie möglich auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzustellen. Dies erfordert einen Wechsel der gesamten Energieversorgung und ihrer Strukturen, hin zu einer überwiegend dezentralen Energieversorgung. Um das Ziel einer 100prozentigen Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen schrittweise, aber so schnell wie möglich in Deutschland zu erreichen, sind Maßnahmen in den Bereichen Stromversorgung, Heizung, Verkehr, Landwirtschaft, Chemie und allen weiteren, von Energie abhängigen Bereichen erforderlich. Hiermit verbunden werden muss eine Dezentralisierung der Steuerung mit Hilfe intelligenter Informations- und Kommunikationstechnologien. Das bedeutet: dass Aufgaben der Netzstabilisierung nicht nur von den Übertragungsnetzbetreibern, sondern auch zum Teil von den Verteilnetzbetreibern wahrgenommen werden können. Bei Ausschöpfung des vorhandenen hohen Potentials an dezentraler Erzeugung, insbesondere durch Kraft- Wärme- Kopplung, ist eine deutliche Reduzierung sowohl des Übertragungs- als auch vermutlich des Verteilnetzausbaus zu erwarten.
Die Energiewende erfordert die zügige Integration von neuen Erkenntnissen und technischen Verfahren der Energieerzeugung und -verteilung in das in seiner Struktur veränderte Energiesystem. Dies ist ein dynamischer Prozess, in den neue Erkenntnisse und Erfahrungen kontinuierlich einfließen werden. Das Ilmenauer Signal soll daher ständig aktualisiert werden.

Ihre Kritik, Anregungen und Ergänzungen senden Sie bitte an:
ilmenauer.signal@gmx.de

Bitte teilen Sie auch mit, wenn Sie das Ilmenauer Signal unterstützen
.


Um das Ziel einer Stromversorgung mit Erneuerbarer Energie (EE), die unserer Vorstellung entspricht, zu erreichen, halten wir folgende Maßnahmen für dringend erforderlich (Alle Punkte werden im Anhang erläutert):

Übersicht

1. Erhöhung der Energieeffizienz
2. Erhöhung des Anteils der Energie-Erzeugung aus EE
3. Forschung zur Energie-Erzeugung aus EE
4. Maßnahmen zur Netzstabilisierung
5. Forschung und Marktanreizprogramme zu Energiespeichern
6. Maßnahmen zur Einsparung von fossilem CO2 und reduziertem Energieverbrauch
7. Maßnahmen für einen angepassten Netzausbau
8. Weitere politische Maßnahmen
9. Vorschläge zur Finanzierung
10. Öffentlichkeitsarbeit
Resumé
Unterseite: Ergänzende Informationen und Informationsquellen 

1. Zur Erhöhung der Energieeffizienz

Eine der vordringlichsten und wirkungsvollsten Maßnahmen ist die zügige Erhöhung der Stromerzeugung durch Kraft- Wärme- Kopplung (KWK).
1.1 Beschleunigter Ausbau der KWK in der Industrie und Ausbau von Fernwärme- und Nahwärmenetzen mit KWK für Gewerbe und Wohngebäude, mit einer dem jeweiligen Versorgungsraum angepassten Wärmespeicherkapazität.
1.2 Dringend erforderlich ist die energetische Gebäudesanierung, die zu einer raschen Verringerung des Heizenergiebedarfs führt.
1.3 Heizkessel in Privathäusern können als so genannte Mikro-KWK Anlagen Strom erzeugen. Die Einführung der Mikro- KWK ist mit einem Marktanreiz-programm zu fördern.
1.4 Investitionen in KWK sind mit einem verlässlichen, über mehrere Jahre stabilen Förderprogramm zu unterstützen.
1.5 Überprüfung bestehender und Neuformulierung verpflichtender gesetzlicher Verordnungen mit dem Ziel, den Bereich KWK zu fördern.
1.6 Einbindung der KWK- Anlagen in Regelsysteme regionaler Versorgungseinheiten zum Ausgleich der fluktuierenden Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen (Dezentralisierung der Systemverantwortung).
1.7 Umsetzung der Europäischen Energie-Effizienzrichtlinie, Beseitigung der Hemmnisse zu ihrer Umsetzung, Finanzierung eines erhöhten Etats zur Umsetzung der Energie-Effizientrichtlinie und Erhöhung der jährlichen Einsparverpflichtung.
Erläuterungen

2. Zur Erhöhung des Anteils der Energie-Erzeugung aus EE

Aus einer aktuellen Studie von Agora-Energiewende (20) geht hervor, dass es durch den vermehrten Ausbau von PV und Windkraft an Land zu erheblichen Einsparungen gegenüber dem Leitszenario der Regierung kommt, und zwar sowohl bei einem bevorzugten Ausbau an den jeweils günstigen Standorten (Wind im Norden, PV im Süden) als auch einem bevorzugt verbrauchsnahen Ausbau, so dass beide Pfade ihre Berechtigung haben.
2. 1 Fachliche und finanzielle Unterstützung zur Neugründung von kommunalen und privaten Energiegenossenschaften, deren Ziel eine lokale oder regionale Versorgung mit Strom aus Erneuerbaren Energien ist. Bürgerkraftwerke dürfen nicht durch unangemessene Auflagen mit einem neuen Kapitalanlagengesetz behindert werden.
2.2 Verlässliche finanzielle Anreize zum verstärkten Bau von PV-Anlagen auf Dachflächen durch Aussetzen der weiteren Absenkung der Einspeisever-gütung für mehrere Jahre und Abschaffung des so genannten „atmenden Deckels“.
2.3 Erweiterung der für PV- Anlagen im Siedlungsbereich infrage kommenden Flächen durch finanziellen Ausgleich der Einspeisevergütung für die etwas geringere Effizienz bei Fassaden und Dächern, die nach Osten oder Westen geneigt sind. Beides erhöht die Einspeisung in stromarmen Zeiten.
2.4 Wiedereinführung einer Einspeisevergütung für PV-Anlagen auf Freiflächen, die keiner anderen sinnvollen Nutzung zugeführt werden können oder die zweifach nutzbar sind.
2.5 Forcierter Ausbau von genossenschaftlichen Windkraftanlagen in einer im Konsens mit der Bevölkerung erarbeiteten landschaftsverträglichen Gestaltung, auch in Gebieten mit suboptimaler Windausbeute.
2.6 Reaktivierung ehemaliger Kleinwasserkraftwerke (ländlicher Mühlenbetrieb) bei Anwendung der inzwischen verfügbaren hoch effizienten Turbinentechnik.
2.7 Aussetzen bzw. Abschmelzen der Befreiung energieintensiver Betriebe von der Ökosteuer, der EEG-Umlage, von den Netzentgelten oder der kostenlosen Zuteilung von CO2 Zertifikaten. Wo dies nachweislich zur Betriebsschließung führen würde, müssen diese Betriebe verpflichtet werden, innerhalb von 10 Jahren ihren Stromverbrauch oder CO2- Ausstoß um 50% zu reduzieren: durch den Bau eigener Windkraft- oder PV-Anlagen oder durch Effizienzmaßnahmen. Ein Fortbestand der Vergünstigungen ist an den jährlichen Nachweis entsprechender Maßnahmen zu binden.
Erläuterungen

3. Forschung zur Energie-Erzeugung mit EE

Die Grundlagen für die Erzeugung von elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen sind weitgehend bekannt. Zu fordern ist eine Verstärkung der anwendungsorientierten Forschung, die zu neuartigen Anwendungen, höheren Wirkungsgraden und niedrigeren Preisen führen wird. 3.1 Pilotprojekte zur Erprobung von Horizontal-Windkraftanlagen (WKA) in Industrie- und Gewerbegebieten. 3.2 Pilotprojekte zur Stromerzeugung mit Turbinen an Kanalschleusen und zu innovativen Lösungen zur Vereinbarkeit von Wasserkraft und Durchgängigkeit für Fische an Flüssen. 3.3 Pilotprojekte zur Stromerzeugung mit Winddrachen. 3.4 Lockerung und Vereinheitlichung von Genehmigungsvorschriften für Kleinwindanlagen und andere sinnvolle EE- Erzeugungsanlagen in den einzelnen Bundesländern. 3.5 Fortführung der Entwicklung von Gezeiten- Strömungs- und Wellenkraft-werken.
Erläuterungen

4. Maßnahmen zur Netzstabilisierung

Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen müssen zum Teil vom Aufbau so genannter Smart Grids und virtueller Kraftwerke begleitet werden, die eine dezentrale Steuerung von Angebot und Nachfrage ermöglichen.
4.1 VERBRAUCHSSEITIG: Strompreis- Flexibilisierung für alle Endverbraucher: der Preis pro kWh richtet sich dann nach dem jeweiligen Stromangebot.
4.2 ERZEUGERSEITIG: finanzieller Anreiz für den Einbau von Speichern durch die Erhöhung der Einspeisevergütung zwischengespeicherten Stroms oder in Form eines Dienstleistungsbonus.
4.3 Netzstabilisierung im Minutenbereich: Umrüstung der Wechselrichter aller PV-Anlagen und von WKA auf netzgeführte Wechselrichter durch Umprogrammierung und Anschluss eines Batteriespeichers. Aufnahme in die im Juli 2012 in Kraft getretene Systemstabilisierungsverordnung.
4.4 Verstärkter Einsatz regelbarer Ortsnetztransformatoren (RONTs) zur Spannungsstabilisierung und zur Vermeidung zusätzlichen Netzausbaus.
4.5 Kurzfristige Systemstabilisierung durch Nutzung der Schwungmassen stillgelegter Großkraftwerke.
4.6 Netzstabilisierung im Stundenbereich: Einführung einer gesetzlichen Vorgabe bei allen neuen PV-Anlagen zur Drosselung der Einspeisung bei hohem Stromangebot und Speicherung der überschüssigen elektrischen Leistung in eine entsprechend der Größe der PV-Anlage dimensionierte Batterie, aus der der Strom in der Dunkelperiode ins Netz eingespeist wird.
4.7 Lastmanagement: Vernetzung von diskontinuierlichen, flexiblen Stromverbrauchern und Steuerung der Leistungsaufnahme zur Glättung von Stromnachfragespitzen.
4.8 Netzstabilisierung im Tagebereich: Umrüstung der Anlagen, die kontinuierlich Prozesswärme mit Gas erzeugen, auf eine Hybridheizung, mit der bei hohem Stromangebot billiger Strom zum Heizen genutzt wird und Gas bei geringem Stromangebot.
4.9 Verpflichtung von Betreibern neuer und von bereits im Betrieb befindlicher Biogasanlagen zur Zwischenspeicherung von Gas für 1 – 2 Tage.
4.10 Netzstabilisierung im Wochenbereich: Installation einer jährlich steigenden Zahl von Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff und von Methan durch Elektrolyse. Einspeisung von Methan ins Gasnetz, Nutzung von Wasserstoff in Verbindung mit Brennstoffzellen für Motor-Antriebe.
Erläuterungen

5. Forschung und Marktanreizprogramme zum Energiespeichern

5.1 Batteriespeicher verschiedener Technologie stehen bereits zur Verfügung. An ihrer Optimierung in Bezug auf Lebensdauer und Preis arbeiten mehrere Firmen unter Hochdruck. Batteriespeicher lassen sich dezentral schnell installieren und damit zielgerichtet zur Netzentlastung bei Spitzenstrom einsetzen. Zentrale Herausforderung bleibt die Kostensenkung. Dazu müssen Märkte geschaffen werden, die über eine Massenanwendung eine zentrale Steuerung, z.B. durch die Stadtwerke, rentabel machen. Dabei werden auch Erfahrungen z.B. in Bezug auf die optimale Tiefe der Entladung und die Lebensdauer der Batterien gewonnen.
5.2 Bau einer jährlich steigenden Zahl von Natrium-Schwefelbatterien, Redox-Flow Batterien, Flüssigmetall-Batterien oder Speichern mit anderen Verfahren in Verbindung mit Windkraft- oder PV-Anlagen über 100 kW Maximalleistung für die nächsten 10Jahre.
5.3 Systematische und forcierte Erkundung von Kavernen und Prüfung auf ihre Verwendbarkeit als Gas- oder Druckluftspeicher oder Wasserspeicher als Pumpspeicherwerk.
5.4 Für Insellösungen Prüfung besonderer regionaler Gegebenheiten wie z.B. vorhandene Wassertürme auf ihre Verwendbarkeit als Pumpspeicher.
5.5 Forschung und Entwicklung eines Verfahrens zur katalytischen Erzeugung von Alkohol in Verbindung mit Elektrolyse.
Erläuterungen

6. Maßnahmen zur Einsparung von fossilem CO2 und reduziertem Energieverbrauch

6.1 Auflagen für Strom- Gas- Erdöl- und Kohleverbraucher zum Ersatz ineffizienter Geräte und Verfahren, jeweils innerhalb möglichst kurzer Zeiträume.
6.2 Beenden der Benachteiligung von Gaskraftwerken im Vergleich zu Kohlekraftwerken im Emissionshandel.
6.3 Auflagen und Investitionshilfen für die Erdöl- basierte Synthese von Kunststoffen zur schrittweisen Umstellung auf die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen, insbesondere für Produkte mit langer Lebensdauer.
Erläuterungen

7. Maßnahmen für einen angepassten Netzausbau

Der geplante Ausbau des Übertragungsnetzes in seiner jetzigen Form stößt bekanntlich in der Bevölkerung auf erheblichen Widerstand. Der Plan wird als überdimensioniert und in seiner technischen Ausführung als nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen. Für eine Entwicklung, bei der die Vermeidung von Treibhausgasemissionen, Energieeffizienz und Lebensschutz in ihrer Priorität gleichberechtigt zur Versorgungssicherheit sein müssen, halten wir folgende Maßnahmen für erforderlich, um ein an diesen Zielen orientiertes Stromnetz zu entwickeln:
7.1 Verschiebung der Entscheidung über den Gesetzentwurf zum Bundesbedarfsplan für Stromnetze durch das Parlament, da hiermit Fehlentwicklungen zementiert würden.
7.2 Einberufung eines ständigen Gremiums von unabhängigen Naturwissenschaftlern und Technikern, Informatikern, Medizinern, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftlern, sowie Vertretern von Behörden, NGOs, der Bürgerschaft und Vertretern der EVUs als gleichberechtigte Partner, die mit der Neuerstellung und ständigen Aktualisierung eines nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten und an die regionalen Entwicklungen angepassten, bedarfsgerechten, zukunftsorientierten Netzentwicklungsplans beauftragt werden.
7.3 Schnellst möglicher Start von Pilotprojekten in staatlichem Auftrag mit dem Ziel einer Verifizierung und Zertifizierung neuer Techniken von Erdkabeln, insbesondere in der Höchstspannungs- Gleichstromtechnik (HGÜ).
7.4 Entwicklung eines neuen Konzepts für den Europäischen Stromhandel. Hierbei muss der Schwerpunkt auf einer Nachbarschaftshilfe bei Stromengpässen und bei Katastrophen liegen und nicht auf einer Gewinnmaximierung durch Exportgeschäfte.
7.5 Festlegung eines verbindlichen Mindestabstands von 400 m zwischen Höchstspannungsfreileitungen und Wohngebieten als Vorsorgewert entsprechend dem EnLAG (Energieleitungs- und Ausbaugesetz).
7.6. Verbindliche Respektierung der Schutzgebiete bereits in den ersten Stufen des Planungsprozesses.
Erläuterungen

8. Weitere politische Maßnahmen

8.1 Erarbeitung eines neuen Strommarkt- Designs mit dem Ziel, die Chancen für dezentrale Erzeuger Erneuerbarer Energien zur Teilnahme am Strommarkt gegenüber konventionellen Kohlekraftwerken und AKWs zu erhöhen.
8.2 Festlegung eines Mindestpreises für CO2 Zertifikate und drastische Reduzierung ihrer Anzahl.
8.3 Verabschiedung eines Konzepts zum Ausstieg aus dem Braunkohletagebau.
8.4 Gesetzliche Verpflichtung der Kohlekraftwerke zur Bildung einer finanziellen Rücklage zur Beseitigung von Umweltschäden (Z.B. Spree- Verockerung).
8.5 Regulierung der Mindestabstände von neuen Windkraftanlagen zu Wohngebieten, bei der die Höhe der Anlage berücksichtigt wird.
8.6 Gesetzliche Verpflichtung zum Ausgleich des Wertverlustes für den Fall, dass die Einhaltung des Mindestabstands von 400 m zu einem Wohngrundstück im Wohngebiet nicht möglich ist; voller Ersatz des Wertes der Immobilie bei unvermeidbarer Überspannung mit einer Hoch- oder Höchstspannungsleitung im Außenbereich.
8.7 Moratorium weiterer Genehmigungen für Off-shore WKAs.
8.8 Bau zusätzlicher, verbrauchsstandortnaher Gaskraftwerke. Dies erfordert Änderungen im Strommarktdesign, da primär Kapazität vorgehalten wird.
8.9 Beenden aller F+E- Vorhaben zu CCS
8.10 Rücknahme der Genehmigung zur Erkundung von Erdgas- Vorkommen, die mit der Fracking- Methode erschlossen werden sollen.
8.11 Beschränkung der Genehmigung zukünftiger Biogasanlagen auf solche, die mit mindestens 80% Reststoffen arbeiten.
8.12 Aufnahme von Speicherstrom ins EEG oder andere, dem Ziel eines Finanzausgleichs für den Speicherbau entsprechende gesetzliche Regelungen.
8.13 Jährliche Auslobung eines „Nobelpreises“ für die beste Innovation zur Energiewende.
Erläuterungen

9. Vorschläge zur Finanzierung

9.1 Wiedereinführung der Vermögenssteuer, Abschaffung der großzügigen Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge, Reform der Unternehmensbesteuerung, Anhebung des Spitzensteuersatzes bei der Einkommensteuer und Anhebung der Erbschaftssteuer.
9.2 Deutliche Erhöhung des Preises für CO2- Emissionszertifikate.
9.3 Kürzung oder Streichung von umwelt- und klimaschädlichen Subventionen einschließlich der Subventionen für die Kernenergie, Gentechnik und den Luftverkehr, Sperrung aller F+E – Gelder für Fracking und CCS.
9.4 Ausstieg aus der Beteiligung an Prestigeprojekten und Aufgabe des Forschungsprojekts Fusionskraftwerk Wendelstein.
9.5 Einsparungen beim Netzausbau.
9.6 Einsparung durch Reduzierung des Ausbaus der Offshore WKAs.
9.7 Sperrung von Krediten und Bürgschaften für die Errichtung von Atomkraftwerken im Ausland und für andere Großprojekte zur fossilen Energiegewinnung.
9.8 Ausgabe von zweckgebundenen Volksaktien für den Ausbau des Verteilnetzes, das mit Informations- und Kommunikationstechnologie zur Regelung und Stabilisierung von Spannung und Netzfrequenz ausgestattet werden muss.
Erläuterungen

10. Öffentlichkeitsarbeit

Für ein Gelingen der Energiewende brauchen wir ein verändertes Energiebewusstsein in der Gesellschaft. Bisher wird der Nutzen der Umstellung auf EE noch von zu wenigen Menschen erkannt. Im Vordergrund der Diskussion stehen vielmehr die sichtbaren Wind- und Solaranlagen, die oft als störend empfunden werden, sowie steigende Strompreise. Dieser Eindruck wird bewusst verstärkt durch die Gegner der Energiewende, die sich von Macht- und Profitverlust bedroht sehen.
Sie verschweigen,
• dass die Investitionen in EE praktisch keine Folgekosten verursachen, so dass die Stromkosten mit der Zeit nicht steigen sondern sinken werden,
• dass der Strom aus fossilen und atomaren Kraftwerken nur deshalb billiger als Strom aus Erneuerbaren Quellen ist, weil dieser Strom hoch subventioniert wird - mit Mitteln des Steuerzahlers, die nicht auf der Stromrechnung erscheinen,
• dass der Zuwachs an EE den Import von fossilen Energien dauerhaft reduziert,
• dass der Umbau des Energiesystems Arbeitsplätze und Exportchancen schafft,
• dass die weitgehend dezentrale Energieversorgung zu einer Demokratisierung unserer Wirtschaft und zur Verringerung der Abhängigkeit von Großkonzernen führt,
• dass die Verzögerung der Energiewende ihre Kosten erhöht, - und
• dass sie alternativlos ist.

Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, durch Information der Menschen aller Schichten Akzeptanz der bevorstehenden Veränderungen zu erreichen. Dazu muss das Interesse am Erfolg der Energiewende geweckt werden, so dass die Menschen sich vom Pioniergeist unserer Erfinder und Konstrukteure erfassen lassen und zu Unterstützern der Wende werden.

Resumé

Die genannten Maßnahmen zeigen zum einen die große Fülle von Ansatzpunkten für den Wechsel ins Solarzeitalter – und zugleich die Komplexizität der Aufgabe. Die Umstellung erfordert gleichzeitige Veränderungen in mehreren Bereichen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Dass dies gelingen kann, zeigen inzwischen zahlreiche energieautarke Gemeinden und erfolgreich abgeschlossene Pilotprojekte*). Der Beschluss zur Umstellung unseres gesamten Energiebedarfs auf regenerative Quellen hat zu einer Innovationslawine geführt und beflügelt Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker in noch nie erlebtem Ausmaß. Daraus erwächst die Hoffnung auf das Gelingen dieser Jahrhundertaufgabe für Deutschland.

Die Erfüllung der Forderungen des Ilmenauer Signals und ihre ständige Weiterentwicklung versprechen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und eine aktive Mitarbeit vieler kompetenter und engagierter Menschen, die den Sinn der Maßnahmen für den Erfolg der Energiewende erkennen.


*) Nach einer vierjährigen Forschungs- und Testphase wurde das gemeinsame Technologieprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) "E-Energy – Smart Energy made in Germany" erfolgreich abgeschlossen. Auf einem Kongress im Januar 2013 in Berlin haben die Experten der sechs Modellregionen ihre Ergebnisse vorgestellt.
http://www.e-energy.de/de/E-Energy_Kongress2011/